Ich nutze KI sogar noch weniger als ihr

Titel: Heavy Sea | Paul Dougherty | oil on canvas | Smithsonian American Art Museum | CC0 1.0
Heavy Sea | Paul Dougherty | Smithsonian American Art Museum | © CC 0

Die Texte in diesem Notizblog sind 100% frei von Erzeugnissen „künstlicher Intelligenz“, also Large Language Models oder ähnlichem Text- und Denkwerkzeug.

Konstantin

Konstantin schreibt auf, dass er keine KI für die Erstellung seiner Blog-Texte nutzt. Und wie er KI lektorisch gleichzeitig einsetzt, um sein Stitchson-Buch weiterzuentwickeln. Thomas Gigold fragt sich, wie man KI-freie, persönliche Blogs am besten kennzeichnen könnte. Und Ben schreibt den wichtigen Gedanken auf, dass unsere Tools of Trade immer noch Tools sind. Auch wenn sie natürlich Einfluss auf unsere Produktion haben können, ersetzen sie nicht die Person mit ihren Intensionen, die die Tools einsetzt.
Kurz angemerktes Lieblingszitat aus dem Text: „Eine Kreissäge ist ein krasses Ding […].“ Ben erklärt die Dinge immer so, dass ich sie verstehe.

Drei Gedanken dazu.

  • Es ist eine gute Idee, sich Gedanken über die Transparenz der eigenen Nutzung von KI zu machen. Nein, es ist nicht perfekt, es gibt dutzende Unschärfen und Perspektiven auf das Thema. Aber Transparenz hilft anderen bei der Frage, ob sie bestimmte Inhalte rezipieren möchten oder nicht. Im Wilden Westen rammt jeder seine Pflöcke woanders ein. Warum nicht ein wenig bei der Orientierung helfen?
  • Eigentlich ist es nicht überraschend, aber in der Geschwindigkeit doch etwas verblüffend, welche Grabenkämpfe sich da jetzt schon in diesen Feinheiten abzeichnen. Die Nutzung von KI ist – bei allen guten technischen, politischen, moralischen Argumnenten dafür und dagegen – im Bourdieuschen Sinne schon längst zur Stilfrage geworden. Mit allen Ungenauigkeiten, die das mit sich bringt. Der Vorwurf „Was soll der KI-Slop!?“ ist schnell unter einem Beitrag gepostet. Dabei handelt es sich in vielen Fällen – da habe ich beruflich durchaus Einblick – doch nur um ganz klassischen, noch echt von Hand gemachten Human-Slop. Menschen überlegen, sich die Nutzung des Gedankenstrichs abzugewöhnen, weil er von LLMs oft genutzt wird. Die Distinktion hat begonnen – nur einer von den vielen gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen, die uns bevorstehen.
  • Ende 2022 hat man einen Geist aus der Flasche gelassen, als die ersten LLMs für die breite Masse zugänglich wurden. Niemand hat uns gefragt, ob wir das wollen oder das für eine gute Idee halten. Niemand hat uns gefragt, ob wir damit einverstanden sind, wie LLMs trainiert werden. Niemand hat uns gefragt, ob wir ein Teil der Entwicklungen sein möchten, die nun folgen – welche auch immer das sein mögen.
    Doch der Geist ist der Flasche und er wird nicht wieder weggehen. Das stellt uns vor einem enormen gesellschaftlichen Umwälzungsprozess – den wir insbesondere dann ausfechten müssen, wenn politische und wirtschaftliche Regulierungen ausbleiben.
    Wir haben uns das nicht ausgesucht. Da sind wir gut beraten, empathisch zu bleiben – so unter uns Menschen. Uns nicht an die Gurgel zu gehen, wenn wir KI an den falschen Stellen einsetzen oder ablehnen. Meine Güte, wir üben doch alle noch! Natürlich müssen wir diese Fragen aushandeln, Position beziehen, Für und Wider abwägen. Aber wir brauchen auch Zeit, die Entwicklungen aufzunehmen, Erfahrungen zu sammeln, eine Haltung zu entwickeln.

Ich für meinen Teil bin noch nicht in jedem Fall zu 100% sattelfest, wo genau ich Grenzen ziehen werde, meine Pflöcke einschlagen werde. Und wenn wir das gesamtgesellschaftlich mitgestalten wollen, sind größere Hebel zu ziehen. Es ist wichtig, dass wir uns darauf vorbereiten. Ich nehme mir auf dem Weg aber vor, anderen beim Umgang mit KI zunächst mit viel Verständnis zu begegnen, ihre Intensionen zu verstehen. Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen.

Kommentare

  1. Gefällt mir, deine differenzierte Sicht der Dinge!
    „Transparenz hilft anderen bei der Frage, ob sie bestimmte Inhalte rezipieren möchten oder nicht.“
    Ich käme nie auf die Idee, etwas wegen der Angabe „KI wurde hier so und so genutzt“ zu lesen/zu sehen oder auszuschließen. Für mich sind das ideologische Kämpfe, die mich fast schon langweilen. Ich schaue auf den Inhalt, die Art der Darbietung – und wenn das mein aktuelles Bedürfnis beantwortet, lese/sehe ich gerne. Heißt: In persönlichen Blogs erwarte ich auch einen persönlichen Text. Bekomme ich einen „generischen“ Allerweltsartikel, gehe ich gleich wieder.
    Suche ich Infos oder will mich unterhalten lassen, stört mich „ganz oder teilweise mit KI erstellt“ (Youtube) garnicht – wohl aber langes Gelaber ohne Substanz, schlechte KI-Stimme, absurde Bebilderung und marktschreierische Clickbaits, wenn der Inhalt nicht hält, was der Anreisser verspricht.

    1. Versteh ich gut. Also ich persönlich würde in der Regel auch nicht vorab aktiv nach Disclaimern oder „Reinheitsgeboten“ suchen. Aber ich kann gleichzeitig verstehen, dass es anderen Personen wichtig ist – da kann ein Transparenzhinweis helfen und mir tut er ja nicht weh.

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