
Ein Ostinato beschreibt in der Musik eine sich stetig wiederholende musikalische Figur. In der Rockmusik werden daraus Riffs, in der elektronischen Musik Loops. Und dann gibt es da noch die moderne, minimalistische Spielart für klassische Instrumente und boy, oh boy, die hat sich der niederländische Komponist Simeon ten Holt mal ordentlich zu Herzen genommen.
Das Stück ist schon von der Anlage her ein kleines Rabbit Hole für sich, da explizit keine feste Aufführungsweise für das Werk festgeschrieben ist. Verschiedene Instrumente, unterschiedliche Anzahl der Interpret.innen, variable Länge des Werks durch unterschiedliche Handhabung der Wiederholungen – alles möglich. Eine Interpretation von Canto Ostinato kann zwei Stunden dauern oder auch zwei Tage.
Aufmerksam geworden bin ich durch eine neue Interpretation durch das Metropolis Ensemble und Erik Hall, gemeinsam mit dem Ensemble Sandbox Percussion, von dem es auch ein unterhaltsames Tiny Desk Konzert gibt. Alles allerfeinste Ostinasen, möchte ich meinen (und bitte dieses Wortspiel zu entschuldigen).
Canto Ostinato ist ein bisschen, wie dem Regen zuzuhören. Alles wiederholt sich und gleichzeitig ist alles im Fluß. Wird ein wenig lauter, ein wenig leiser. Ein wenig Wind kommt auf, die Bäume rascheln. Der Himmel mal dunkler, mal heller.
Ich bin immer auf der Suche nach Musik, zu der ich gut lesen kann und die sich nicht zu sehr in den Vordergrund drängelt. Das klappt hervorragend mit Canto Ostinato – naja – bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich kurz innehalte, vom Buch aufblicke und doch nicht anders kann als mich in den Regen zu stellen.
