Takelage einer Brigg

Joseph Heard – The Merchant Brig Rimac In Two Positions

Als Kind habe ich oft Urlaub in der Bretagne gemacht und dort viel Zeit am Meer verbracht. Am Strand, aber auch an Klippen und in kleineren Häfen. Ich glaube, daher stammt meine Faszination für große, historische Segelschiffe. Ich finde sie einfach unheimlich schön, elegant und beeindruckend.

Nur leider habe ich überhaupt keine Ahnung von ihnen, denn ich habe keinerlei nautische Erfahrung. Kanu, Fähren oder Tretbootfahren – das war’s vermutlich schon.

Um das zu ändern und weil ich die Reihe schon seit vielen Jahren auf meiner List habe, habe ich mir neben Star Trek noch ein anderes Langzeitprojekt aufgehalst. Diesmal in Buchform: Die Aubrey-Maturin-Romanreihe von Patrick O’Brian.

Der erste Band heißt „Master and Commander“. Ich stecke noch ganz am Anfang, irgendwo in den ersten 50 Seiten. Und werde bombadiert mit nautischen Fachausdrücken. Manches lerne ich direkt beim Lesen, zum Beispiel, dass „Master and Commander“ nicht zwei Ränge oder nautische Berufe sind (wie ich immer dachte), sondern dass es sich dabei um einen militärischen Rang der Navy handelt, der zwischen „Lieutenant Commander“ und „Captain“ einzusortieren ist.

Wenn es aber ins Detail geht, merke ich schnell, dass es kompliziert wird, wenn ich die nautischen Termini nicht verstehe. Zumal ich die Reihe im englischen Original lesen möchte und sie so manchmal gar nicht erst als nautische Begriffe identifiziere.

Irgendwo muss ich ja anfangen. Und daher starte ich mal grob mit dem Rigging (der Takelung) der Sophie, das Schiff, für das Jack Aubrey auf den ersten 50 Seiten von Master und Commander das Kommando übernehmen darf. Keine Ahnung, ob er 30 Seiten später schon wieder versenkt und dann auf ein Schlauchboot umsteigt, oder so (bitte nicht spoilern). Aber ich hoffe, dass zumindest viele der Segelbegriffe auch auf andere Schiffstypen übertragbar sind.

Disclaimer: Ich habe die Darstellungen und Infos zu einem Großteil aus der Wikipedia. Bei den Übersetzungen und Tabellen habe ich mir auch ein wenig von KI unter die Arme greifen lassen. Die Einträge ins Vokabelheft können also mitunter Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.

Bei der Sophie handelt es sich um eine „Sloop-of-war„, ein kleinerer Kriegsschifftyp der Royal Navy, der traditionell „Master und Commander“ unterstand und eben nicht den in der Hierachie höher stehenden Captains. Die Sophie hat dabei die Takelung einer Brig/Brigg. Sprich zwei große Masten, die mit „square-rigging“, also Rahsegeln ausgestattet sind.

Auf Wikipedia habe ich eine recht detaillierte Darstellung der Brigg-Takelage gefunden. Um beim Vokabellernen den Überblick zu behalten, sind die Begriffe nach Typ sortiert.

Paasch_Illus_Mar_Ency_1890_pl_80_-_Brig.jpg

Paasch, H., Illustrated Marine Encyclopedia. Antwerp, 1890. Plate 80

Segel

Segel sind die Flächen, die den Wind einfangen und das Schiff antreiben. Okay, DA bin selbst ich noch mitgekommen.

Bei einer rahgetakelten Brigg sind die meisten Segel rechteckige Rahsegel. Daneben gibt es Stagsegel (dreieckig) und besondere Hilfssegel.

Nr.EnglischDeutschErklärungWofür wird es genutzt?
1Flying-jibAußenklüverÄußerstes Vorsegel am Ende des Klüverbaums.Zusätzliche Geschwindigkeit bei günstigem Wind.
2JibKlüverWichtigstes Vorsegel vor dem Fockmast.Verbessert Steuerbarkeit und Wendigkeit.
3Fore-topmast-staysailVormarsstenstagsegelStagsegel zwischen Fockmast und Vormarsstenge.Hilft beim Segeln am Wind.
4Fore-sailFocksegelUnterstes Rahsegel am Fockmast.Wichtiges Antriebssegel am Vormast.
5Lower Fore TopsailUntervormarssegelUnterer Teil des geteilten Vormarssegels.Liefert viel Vortrieb.
6Upper Fore TopsailObervormarssegelOberer Teil des geteilten Vormarssegels.Zusätzlicher Vortrieb bei moderatem Wetter.
7Fore Topgallant SailVorbramsegelSegel oberhalb des Marssegels.Mehr Geschwindigkeit bei ruhigem Wetter.
8Fore RoyalVorroyalSegel oberhalb des Vorbramsegels.Höchstes Leichtwindsegel.
9Main-topmast-staysailGroßmarsstenstagsegelStagsegel am Großmast.Unterstützt Kursstabilität und Vortrieb.
10Main-topgallant-staysailGroßbramstenstagsegelHohes Stagsegel zwischen den Stengen.Zusätzliche Segelfläche bei leichtem Wind.
11Main-royal-staysailGroßroyalstagsegelOberstes Stagsegel am Großmast.Maximale Segelfläche bei gutem Wetter.
12Main-sailGroßsegelUnterstes Rahsegel am Großmast.Wichtigstes Antriebssegel der Brigg.
13Lower Main TopsailUntergroßmarssegelUnterer Teil des Großmarssegels.Liefert einen Großteil des Vortriebs.
14Upper Main TopsailObergroßmarssegelOberer Teil des Großmarssegels.Ergänzt das Großmarssegel.
15Main Topgallant SailGroßbramsegelSegel oberhalb des Marssegels.Geschwindigkeit bei ruhiger See.
16Main RoyalGroßroyalSegel oberhalb des Großbramsegels.Oberstes Schönwettersegel.
17Main TrysailTrysegelKleines Sturm- oder Hilfssegel an Gaffel und Baum.Sturm- und Manöversegel bei schwerem Wetter.

Grundlegende Reihenfolge der Rahsegel auf einer Brigg

(von oben nach unten)

EbeneEnglischDeutschPosition
4RoyalRoyalOberstes Rahsegel
3Topgallant SailBramsegelUnter dem Royal
2TopsailMarssegelUnter dem Bramsegel
1CourseUntersegelDirekt über Deck

Anders als in der Abbildung waren Marssegel um 1800 (wie bei der Sophie) oft noch nicht geteilt.

Yards and Spars / Rahen und Spieren

Rahen und Spieren sind die Holzbalken, an denen Segel befestigt werden.

  • Eine Rahe ist der waagerechte Balken, an dem ein Rahsegel hängt.
  • Eine Spiere ist der allgemeine Oberbegriff für lange Holzbalken auf einem Schiff.

Ohne Rahen und Spieren gäbe es keine Möglichkeit, die Segel auszubreiten.

Nr.EnglischDeutschErklärungWofür wird es genutzt?
18Fore YardFockraheTrägt das Focksegel.Befestigung und Ausrichtung des Focksegels.
19Lower Fore Topsail YardUntervormarsraheTrägt das Untervormarssegel.Befestigung des Untervormarssegels.
20Upper Fore Topsail YardObervormarsraheTrägt das Obervormarssegel.Befestigung des Obervormarssegels.
21Fore Topgallant YardVorbramraheTrägt das Vorbramsegel.Befestigung des Vorbramsegels.
21AFore Royal YardVorroyalraheTrägt das Vorroyalsegel.Befestigung des Vorroyalsegels.
22Main YardGroßraheTrägt das Großsegel.Befestigung und Ausrichtung des Großsegels.
23Lower Main Topsail YardUntergroßmarsraheTrägt das Untergroßmarssegel.Befestigung des Untergroßmarssegels.
24Upper Main Topsail YardObergroßmarsraheTrägt das Obergroßmarssegel.Befestigung des Obergroßmarssegels.
25Main Topgallant YardGroßbramraheTrägt das Großbramsegel.Befestigung des Großbramsegels.
26Main Royal YardGroßroyalraheTrägt das Großroyalsegel.Befestigung des Großroyalsegels.
27Main Trysail BoomTrysegelbaumUntere Spiere des Trysegels.Hält die Unterkante des Trysegels gespannt.
28Main Trysail GaffTrysegelgaffelObere schräge Spiere des Trysegels.Hält die Oberkante des Trysegels gespannt.
29Flying-jib BoomAußenklüverbaumVerlängerung des Klüverbaums.Trägt den Außenklüver weit vor das Schiff.
30Jib BoomKlüverbaumVerlängerung des Bugspriets.Trägt den Klüver.
31BowspritBugsprietSchräg nach vorne ragende Spiere am Bug.Befestigungspunkt für Vorsegel und deren Takelage.
32Martingale BoomMartingalbaumUntere Stützspiere für Bugspriet und Klüverbaum.Stabilisiert die Vorbauten des Riggs.

Stays and Supporting Rigging / Stagen und Stütztaue

Stagen sind tragende Taue, die Masten und Spieren stabilisieren.

Man kann sie sich als die „Stahlseile einer Hängebrücke“ vorstellen.

Sie dienen normalerweise nicht zum Bedienen der Segel, sondern halten die gesamte Konstruktion zusammen. Wenn ein Stag reißt, kann im Extremfall ein Mast einstürzen.

Nr.EnglischDeutschErklärungWofür wird es genutzt?
33Flying-jib-boom StayAußenklüverbaumstagHält den Außenklüverbaum nach unten.Verhindert das Hochbiegen des Außenklüverbaums.
34Jib-boom StayKlüverbaumstagHält den Klüverbaum nach unten.Stabilisiert den Klüverbaum.
35Martingale GuysMartingalguyenSeitliche Stütztaue des Martingals.Verhindern seitliches Ausschwingen.
36BobstayBugspriet-UnterstagHält den Bugspriet gegen Aufwärtskräfte.Nimmt die Zugkräfte der Vorsegel auf.

Braces / Brassen

Brassen sind die Taue, mit denen die Rahen gedreht werden.

Da Rahsegel quer zum Schiff hängen, müssen sie ständig auf den Wind ausgerichtet werden. Die Brassen übernehmen genau diese Aufgabe.

Beispiel: Wenn der Wind von Steuerbord kommt, werden die Rahen schräg gestellt, damit die Segel den Wind optimal fangen.

Nr.EnglischDeutschErklärungWofür wird es genutzt?
37Fore BraceFockbrasseSchwenkt die Fockrahe.Richtet das Focksegel auf den Wind aus.
38Lower Fore Topsail BraceUntervormarsbrasseSchwenkt die Untervormarsrahe.Richtet das Untervormarssegel aus.
39Upper Fore Topsail BraceObervormarsbrasseSchwenkt die Obervormarsrahe.Richtet das Obervormarssegel aus.
40Fore Topgallant BraceVorbrambrasseSchwenkt die Vorbramrahe.Richtet das Vorbramsegel aus.
41Fore Royal BraceVorroyalbrasseSchwenkt die Vorroyalrahe.Richtet das Vorroyalsegel aus.
42Main BraceGroßbrasseSchwenkt die Großrahe.Richtet das Großsegel aus.
43Lower Main Topsail BraceUntergroßmarsbrasseSchwenkt die Untergroßmarsrahe.Richtet das Untergroßmarssegel aus.
44Upper Main Topsail BraceObergroßmarsbrasseSchwenkt die Obergroßmarsrahe.Richtet das Obergroßmarssegel aus.
45Main Topgallant BraceGroßbrambrasseSchwenkt die Großbramrahe.Richtet das Großbramsegel aus.
46Main Royal BraceGroßroyalbrasseSchwenkt die Großroyalrahe.Richtet das Großroyalsegel aus.

Buntlines and Leechlines / Geitaue und Aufholer

Geitaue dienen dazu, Segel schnell einzuholen.

Statt ein großes Segel vollständig herunterzulassen, zieht man es mit Geitauen nach oben gegen die Rahe.

Dadurch kann die Besatzung Segelfläche verkleinern, Sturmschäden vermeiden oder Segel festmachen

Nr.EnglischDeutschErklärungWofür wird es genutzt?
47Fore BuntlinesFockgeitaueZiehen die Mitte des Focksegels nach oben.Schnelles Bergen des Focksegels.
48Fore LeechlinesFocknockgeitaueZiehen die Segelkanten nach oben.Bergen der Segelaußenkanten.
49Lower Fore Topsail BuntlinesUntervormars-GeitaueHolen das Untervormarssegel auf.Schnelles Bergen des Segels.
50Upper Fore Topsail BuntlinesObervormars-GeitaueHolen das Obervormarssegel auf.Schnelles Bergen des Segels.
51Fore Topgallant BuntlinesVorbram-GeitaueHolen das Vorbramsegel auf.Bergen des Vorbramsegels.
52Fore Topgallant LeechlinesVorbram-NockgeitaueZiehen die Außenkanten des Vorbramsegels hoch.Sauberes Zusammenziehen des Segels.
53Fore Royal BuntlinesVorroyal-GeitaueHolen das Vorroyalsegel auf.Bergen des Vorroyalsegels.
54Main BuntlinesGroßgeitaueHolen das Großsegel auf.Bergen des Großsegels.
55Main LeechlinesGroßnockgeitaueZiehen die Außenkanten des Großsegels hoch.Sauberes Bergen des Großsegels.
56Lower Main Topsail BuntlinesUntergroßmars-GeitaueHolen das Untergroßmarssegel auf.Bergen des Segels.
57Upper Main Topsail BuntlinesObergroßmars-GeitaueHolen das Obergroßmarssegel auf.Bergen des Segels.
58Main Topgallant BuntlinesGroßbram-GeitaueHolen das Großbramsegel auf.Bergen des Segels.
59Main Topgallant LeechlinesGroßbram-NockgeitaueZiehen die Außenkanten des Großbramsegels hoch.Sauberes Bergen des Segels.
60Main Royal BuntlinesGroßroyal-GeitaueHolen das Großroyalsegel auf.Bergen des Großroyalsegels.
61Main Trysail BrailsTrysegel-GeitaueZiehen das Trysegel gegen Gaffel und Mast.Schnelles Bergen des Trysegels.

So, dann gehe ich mal Vokabeln üben. Vermutlich reicht es ja schon, wenn man zumindest eine Vorstellung der Oberbegriffe zu haben. Aber schön, das hier mal zusammengesammelt zu haben.

Dieser Beitrag ist Teil einer Artikelserie

Master and Commander

Ich habe mir vorgenommen, die Master und Commander Serie von Patrick O’Brian zu lesen.

  1. Takelage einer Brigg

    Ich möchte historische Segelschiffe romantisieren

  2. Master and Commander – Band 1

    Zugegeben, ich habe die Lektüre ein wenig unterschätzt.

Kommentare

  1. Irgendwann hat man eine ausreichende Idee davon was irgendein nautischer Begriff bedeutet und wir ziemlich fließend in der Lektüre. In der deutschsprachigen Ausgabe habe es zudem Hintern immer eine kleine Zeichnung und ein Glossar. Das war sehr handlich. Aber selber machen ist latürnich noch besser.

    Vor allem aber: Moritz, Moritz, Moritz! Wie unendlich grossartig, dass Du jetzt auch in den erlesenen Club der Menschen eintritts, die Jack & Stephen verfallen sind. Ganz herrlich. Bitte, bitte, bitte schrieb zu jedem Buch ein wenig hier. Oder sag bescheid, wenn Du eins durch hast, dann lade ich Dich auf nen Sherry oder nen Kaffe (He, ho Killick!) ein und ich höre einfach nur zu, wie Du davon erzählst.

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