
Als Kind habe ich oft Urlaub in der Bretagne gemacht und dort viel Zeit am Meer verbracht. Am Strand, aber auch an Klippen und in kleineren Häfen. Ich glaube, daher stammt meine Faszination für große, historische Segelschiffe. Ich finde sie einfach unheimlich schön, elegant und beeindruckend.
Nur leider habe ich überhaupt keine Ahnung von ihnen, denn ich habe keinerlei nautische Erfahrung. Kanu, Fähren oder Tretbootfahren – das war’s vermutlich schon.
Um das zu ändern und weil ich die Reihe schon seit vielen Jahren auf meiner List habe, habe ich mir neben Star Trek noch ein anderes Langzeitprojekt aufgehalst. Diesmal in Buchform: Die Aubrey-Maturin-Romanreihe von Patrick O’Brian.
Der erste Band heißt „Master and Commander“. Ich stecke noch ganz am Anfang, irgendwo in den ersten 50 Seiten. Und werde bombadiert mit nautischen Fachausdrücken. Manches lerne ich direkt beim Lesen, zum Beispiel, dass „Master and Commander“ nicht zwei Ränge oder nautische Berufe sind (wie ich immer dachte), sondern dass es sich dabei um einen militärischen Rang der Navy handelt, der zwischen „Lieutenant Commander“ und „Captain“ einzusortieren ist.
Wenn es aber ins Detail geht, merke ich schnell, dass es kompliziert wird, wenn ich die nautischen Termini nicht verstehe. Zumal ich die Reihe im englischen Original lesen möchte und sie so manchmal gar nicht erst als nautische Begriffe identifiziere.
Irgendwo muss ich ja anfangen. Und daher starte ich mal grob mit dem Rigging (der Takelung) der Sophie, das Schiff, für das Jack Aubrey auf den ersten 50 Seiten von Master und Commander das Kommando übernehmen darf. Keine Ahnung, ob er 30 Seiten später schon wieder versenkt und dann auf ein Schlauchboot umsteigt, oder so (bitte nicht spoilern). Aber ich hoffe, dass zumindest viele der Segelbegriffe auch auf andere Schiffstypen übertragbar sind.
Disclaimer: Ich habe die Darstellungen und Infos zu einem Großteil aus der Wikipedia. Bei den Übersetzungen und Tabellen habe ich mir auch ein wenig von KI unter die Arme greifen lassen. Die Einträge ins Vokabelheft können also mitunter Fehler oder Ungenauigkeiten enthalten.
Bei der Sophie handelt es sich um eine „Sloop-of-war„, ein kleinerer Kriegsschifftyp der Royal Navy, der traditionell „Master und Commander“ unterstand und eben nicht den in der Hierachie höher stehenden Captains. Die Sophie hat dabei die Takelung einer Brig/Brigg. Sprich zwei große Masten, die mit „square-rigging“, also Rahsegeln ausgestattet sind.
Auf Wikipedia habe ich eine recht detaillierte Darstellung der Brigg-Takelage gefunden. Um beim Vokabellernen den Überblick zu behalten, sind die Begriffe nach Typ sortiert.

Paasch, H., Illustrated Marine Encyclopedia. Antwerp, 1890. Plate 80
Segel
Segel sind die Flächen, die den Wind einfangen und das Schiff antreiben. Okay, DA bin selbst ich noch mitgekommen.
Bei einer rahgetakelten Brigg sind die meisten Segel rechteckige Rahsegel. Daneben gibt es Stagsegel (dreieckig) und besondere Hilfssegel.
| Nr. | Englisch | Deutsch | Erklärung | Wofür wird es genutzt? |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Flying-jib | Außenklüver | Äußerstes Vorsegel am Ende des Klüverbaums. | Zusätzliche Geschwindigkeit bei günstigem Wind. |
| 2 | Jib | Klüver | Wichtigstes Vorsegel vor dem Fockmast. | Verbessert Steuerbarkeit und Wendigkeit. |
| 3 | Fore-topmast-staysail | Vormarsstenstagsegel | Stagsegel zwischen Fockmast und Vormarsstenge. | Hilft beim Segeln am Wind. |
| 4 | Fore-sail | Focksegel | Unterstes Rahsegel am Fockmast. | Wichtiges Antriebssegel am Vormast. |
| 5 | Lower Fore Topsail | Untervormarssegel | Unterer Teil des geteilten Vormarssegels. | Liefert viel Vortrieb. |
| 6 | Upper Fore Topsail | Obervormarssegel | Oberer Teil des geteilten Vormarssegels. | Zusätzlicher Vortrieb bei moderatem Wetter. |
| 7 | Fore Topgallant Sail | Vorbramsegel | Segel oberhalb des Marssegels. | Mehr Geschwindigkeit bei ruhigem Wetter. |
| 8 | Fore Royal | Vorroyal | Segel oberhalb des Vorbramsegels. | Höchstes Leichtwindsegel. |
| 9 | Main-topmast-staysail | Großmarsstenstagsegel | Stagsegel am Großmast. | Unterstützt Kursstabilität und Vortrieb. |
| 10 | Main-topgallant-staysail | Großbramstenstagsegel | Hohes Stagsegel zwischen den Stengen. | Zusätzliche Segelfläche bei leichtem Wind. |
| 11 | Main-royal-staysail | Großroyalstagsegel | Oberstes Stagsegel am Großmast. | Maximale Segelfläche bei gutem Wetter. |
| 12 | Main-sail | Großsegel | Unterstes Rahsegel am Großmast. | Wichtigstes Antriebssegel der Brigg. |
| 13 | Lower Main Topsail | Untergroßmarssegel | Unterer Teil des Großmarssegels. | Liefert einen Großteil des Vortriebs. |
| 14 | Upper Main Topsail | Obergroßmarssegel | Oberer Teil des Großmarssegels. | Ergänzt das Großmarssegel. |
| 15 | Main Topgallant Sail | Großbramsegel | Segel oberhalb des Marssegels. | Geschwindigkeit bei ruhiger See. |
| 16 | Main Royal | Großroyal | Segel oberhalb des Großbramsegels. | Oberstes Schönwettersegel. |
| 17 | Main Trysail | Trysegel | Kleines Sturm- oder Hilfssegel an Gaffel und Baum. | Sturm- und Manöversegel bei schwerem Wetter. |
Grundlegende Reihenfolge der Rahsegel auf einer Brigg
(von oben nach unten)
| Ebene | Englisch | Deutsch | Position |
|---|---|---|---|
| 4 | Royal | Royal | Oberstes Rahsegel |
| 3 | Topgallant Sail | Bramsegel | Unter dem Royal |
| 2 | Topsail | Marssegel | Unter dem Bramsegel |
| 1 | Course | Untersegel | Direkt über Deck |
Anders als in der Abbildung waren Marssegel um 1800 (wie bei der Sophie) oft noch nicht geteilt.
Yards and Spars / Rahen und Spieren
Rahen und Spieren sind die Holzbalken, an denen Segel befestigt werden.
- Eine Rahe ist der waagerechte Balken, an dem ein Rahsegel hängt.
- Eine Spiere ist der allgemeine Oberbegriff für lange Holzbalken auf einem Schiff.
Ohne Rahen und Spieren gäbe es keine Möglichkeit, die Segel auszubreiten.
| Nr. | Englisch | Deutsch | Erklärung | Wofür wird es genutzt? |
|---|---|---|---|---|
| 18 | Fore Yard | Fockrahe | Trägt das Focksegel. | Befestigung und Ausrichtung des Focksegels. |
| 19 | Lower Fore Topsail Yard | Untervormarsrahe | Trägt das Untervormarssegel. | Befestigung des Untervormarssegels. |
| 20 | Upper Fore Topsail Yard | Obervormarsrahe | Trägt das Obervormarssegel. | Befestigung des Obervormarssegels. |
| 21 | Fore Topgallant Yard | Vorbramrahe | Trägt das Vorbramsegel. | Befestigung des Vorbramsegels. |
| 21A | Fore Royal Yard | Vorroyalrahe | Trägt das Vorroyalsegel. | Befestigung des Vorroyalsegels. |
| 22 | Main Yard | Großrahe | Trägt das Großsegel. | Befestigung und Ausrichtung des Großsegels. |
| 23 | Lower Main Topsail Yard | Untergroßmarsrahe | Trägt das Untergroßmarssegel. | Befestigung des Untergroßmarssegels. |
| 24 | Upper Main Topsail Yard | Obergroßmarsrahe | Trägt das Obergroßmarssegel. | Befestigung des Obergroßmarssegels. |
| 25 | Main Topgallant Yard | Großbramrahe | Trägt das Großbramsegel. | Befestigung des Großbramsegels. |
| 26 | Main Royal Yard | Großroyalrahe | Trägt das Großroyalsegel. | Befestigung des Großroyalsegels. |
| 27 | Main Trysail Boom | Trysegelbaum | Untere Spiere des Trysegels. | Hält die Unterkante des Trysegels gespannt. |
| 28 | Main Trysail Gaff | Trysegelgaffel | Obere schräge Spiere des Trysegels. | Hält die Oberkante des Trysegels gespannt. |
| 29 | Flying-jib Boom | Außenklüverbaum | Verlängerung des Klüverbaums. | Trägt den Außenklüver weit vor das Schiff. |
| 30 | Jib Boom | Klüverbaum | Verlängerung des Bugspriets. | Trägt den Klüver. |
| 31 | Bowsprit | Bugspriet | Schräg nach vorne ragende Spiere am Bug. | Befestigungspunkt für Vorsegel und deren Takelage. |
| 32 | Martingale Boom | Martingalbaum | Untere Stützspiere für Bugspriet und Klüverbaum. | Stabilisiert die Vorbauten des Riggs. |
Stays and Supporting Rigging / Stagen und Stütztaue
Stagen sind tragende Taue, die Masten und Spieren stabilisieren.
Man kann sie sich als die „Stahlseile einer Hängebrücke“ vorstellen.
Sie dienen normalerweise nicht zum Bedienen der Segel, sondern halten die gesamte Konstruktion zusammen. Wenn ein Stag reißt, kann im Extremfall ein Mast einstürzen.
| Nr. | Englisch | Deutsch | Erklärung | Wofür wird es genutzt? |
|---|---|---|---|---|
| 33 | Flying-jib-boom Stay | Außenklüverbaumstag | Hält den Außenklüverbaum nach unten. | Verhindert das Hochbiegen des Außenklüverbaums. |
| 34 | Jib-boom Stay | Klüverbaumstag | Hält den Klüverbaum nach unten. | Stabilisiert den Klüverbaum. |
| 35 | Martingale Guys | Martingalguyen | Seitliche Stütztaue des Martingals. | Verhindern seitliches Ausschwingen. |
| 36 | Bobstay | Bugspriet-Unterstag | Hält den Bugspriet gegen Aufwärtskräfte. | Nimmt die Zugkräfte der Vorsegel auf. |
Braces / Brassen
Brassen sind die Taue, mit denen die Rahen gedreht werden.
Da Rahsegel quer zum Schiff hängen, müssen sie ständig auf den Wind ausgerichtet werden. Die Brassen übernehmen genau diese Aufgabe.
Beispiel: Wenn der Wind von Steuerbord kommt, werden die Rahen schräg gestellt, damit die Segel den Wind optimal fangen.
| Nr. | Englisch | Deutsch | Erklärung | Wofür wird es genutzt? |
|---|---|---|---|---|
| 37 | Fore Brace | Fockbrasse | Schwenkt die Fockrahe. | Richtet das Focksegel auf den Wind aus. |
| 38 | Lower Fore Topsail Brace | Untervormarsbrasse | Schwenkt die Untervormarsrahe. | Richtet das Untervormarssegel aus. |
| 39 | Upper Fore Topsail Brace | Obervormarsbrasse | Schwenkt die Obervormarsrahe. | Richtet das Obervormarssegel aus. |
| 40 | Fore Topgallant Brace | Vorbrambrasse | Schwenkt die Vorbramrahe. | Richtet das Vorbramsegel aus. |
| 41 | Fore Royal Brace | Vorroyalbrasse | Schwenkt die Vorroyalrahe. | Richtet das Vorroyalsegel aus. |
| 42 | Main Brace | Großbrasse | Schwenkt die Großrahe. | Richtet das Großsegel aus. |
| 43 | Lower Main Topsail Brace | Untergroßmarsbrasse | Schwenkt die Untergroßmarsrahe. | Richtet das Untergroßmarssegel aus. |
| 44 | Upper Main Topsail Brace | Obergroßmarsbrasse | Schwenkt die Obergroßmarsrahe. | Richtet das Obergroßmarssegel aus. |
| 45 | Main Topgallant Brace | Großbrambrasse | Schwenkt die Großbramrahe. | Richtet das Großbramsegel aus. |
| 46 | Main Royal Brace | Großroyalbrasse | Schwenkt die Großroyalrahe. | Richtet das Großroyalsegel aus. |
Buntlines and Leechlines / Geitaue und Aufholer
Geitaue dienen dazu, Segel schnell einzuholen.
Statt ein großes Segel vollständig herunterzulassen, zieht man es mit Geitauen nach oben gegen die Rahe.
Dadurch kann die Besatzung Segelfläche verkleinern, Sturmschäden vermeiden oder Segel festmachen
| Nr. | Englisch | Deutsch | Erklärung | Wofür wird es genutzt? |
|---|---|---|---|---|
| 47 | Fore Buntlines | Fockgeitaue | Ziehen die Mitte des Focksegels nach oben. | Schnelles Bergen des Focksegels. |
| 48 | Fore Leechlines | Focknockgeitaue | Ziehen die Segelkanten nach oben. | Bergen der Segelaußenkanten. |
| 49 | Lower Fore Topsail Buntlines | Untervormars-Geitaue | Holen das Untervormarssegel auf. | Schnelles Bergen des Segels. |
| 50 | Upper Fore Topsail Buntlines | Obervormars-Geitaue | Holen das Obervormarssegel auf. | Schnelles Bergen des Segels. |
| 51 | Fore Topgallant Buntlines | Vorbram-Geitaue | Holen das Vorbramsegel auf. | Bergen des Vorbramsegels. |
| 52 | Fore Topgallant Leechlines | Vorbram-Nockgeitaue | Ziehen die Außenkanten des Vorbramsegels hoch. | Sauberes Zusammenziehen des Segels. |
| 53 | Fore Royal Buntlines | Vorroyal-Geitaue | Holen das Vorroyalsegel auf. | Bergen des Vorroyalsegels. |
| 54 | Main Buntlines | Großgeitaue | Holen das Großsegel auf. | Bergen des Großsegels. |
| 55 | Main Leechlines | Großnockgeitaue | Ziehen die Außenkanten des Großsegels hoch. | Sauberes Bergen des Großsegels. |
| 56 | Lower Main Topsail Buntlines | Untergroßmars-Geitaue | Holen das Untergroßmarssegel auf. | Bergen des Segels. |
| 57 | Upper Main Topsail Buntlines | Obergroßmars-Geitaue | Holen das Obergroßmarssegel auf. | Bergen des Segels. |
| 58 | Main Topgallant Buntlines | Großbram-Geitaue | Holen das Großbramsegel auf. | Bergen des Segels. |
| 59 | Main Topgallant Leechlines | Großbram-Nockgeitaue | Ziehen die Außenkanten des Großbramsegels hoch. | Sauberes Bergen des Segels. |
| 60 | Main Royal Buntlines | Großroyal-Geitaue | Holen das Großroyalsegel auf. | Bergen des Großroyalsegels. |
| 61 | Main Trysail Brails | Trysegel-Geitaue | Ziehen das Trysegel gegen Gaffel und Mast. | Schnelles Bergen des Trysegels. |
So, dann gehe ich mal Vokabeln üben. Vermutlich reicht es ja schon, wenn man zumindest eine Vorstellung der Oberbegriffe zu haben. Aber schön, das hier mal zusammengesammelt zu haben.



Irgendwann hat man eine ausreichende Idee davon was irgendein nautischer Begriff bedeutet und wir ziemlich fließend in der Lektüre. In der deutschsprachigen Ausgabe habe es zudem Hintern immer eine kleine Zeichnung und ein Glossar. Das war sehr handlich. Aber selber machen ist latürnich noch besser.
Vor allem aber: Moritz, Moritz, Moritz! Wie unendlich grossartig, dass Du jetzt auch in den erlesenen Club der Menschen eintritts, die Jack & Stephen verfallen sind. Ganz herrlich. Bitte, bitte, bitte schrieb zu jedem Buch ein wenig hier. Oder sag bescheid, wenn Du eins durch hast, dann lade ich Dich auf nen Sherry oder nen Kaffe (He, ho Killick!) ein und ich höre einfach nur zu, wie Du davon erzählst.