
The Next Generation (TNG) macht es einem wirklich nicht einfach. Ich habe irgendwo gelesen, dass es ein eiserner Star-Trek-Gesetz gäbe, wonach die ersten Staffeln einer Serie immer Mist seien und die Qualität erst ab der dritten Staffel zunimmt.
Auf TNG trifft das jedenfalls voll und ganz zu. Aber der Reihe nach.
New Enterprise, new look
Zunächst einmal war es gut, dass ich mir vorher einige Folgen der Original Series angesehen habe. So konnte ich den neuen Look und tatsächlich die optische Qualität der Serie viel mehr wertschätzen als ich dachte.
Die neue Enterprise sieht selbst nach heutigen Maßstäben noch schick aus, wenn man mal manchen 90er-Jahre-Dekolook außer Acht lässt. Wie krass eigentlich, dass man damals schon das Touchscreen-Prinzip komplett in der Serie komplett konzeptionell umgesetzt hat.
Was mir erst nicht klar war: Bei der Version, die ich schaue, handelt es sich um ein HD-Remake von TNG. Es wurde gar nicht so unaufwändig produziert wurde – viele der Special Effects wurden in der Überarbeitung neu erstellt.
Das führt dazu, dass die Qualitätsspanne der Effekte doch recht groß wirkt. Während auf der Brücke alles modern erscheint, wirken manche Hintergründe bei Außeneinsätzen hoffnungslos antiquiert – sie könnten auch aus der Original Series stammen. Das legt sich etwas in den späteren Staffeln, aber in den ersten beiden Staffeln fand ich die Diskrepanz sehr verblüffend.
Schwieriger Einstieg
Nach dem etwas überfrachtetem Pilot erwarten uns mit Folge 2, Folge 3 und Folge 4 gleich drei Folgen hintereinander, die doch ziemlich schlecht gealtert sind.
In der zweiten Folge wird die Crew von einem Virus infiziert, der sie quasi betrunken macht. Bei den männlichen Crewmitgliedern führt das vor allem zu kindischem und dümmlichen Verhalten, die weiblichen Crewmitglieder werden einfach horny. Naja.
Zu den sexistischen Tendenzen in Folge 2, mischt Folge 3, Code of Honor, leider noch eine rassistische Untertöne dazu. Ein tribalistisches, primitives Volk – allesamt von schwarzen Schauspielern portraitiert – wird von einem Prinzen angeführt, der Tasha Yar entführt, um sie zu seiner Frau zu machen. Uff.
Und in Folge 4 bekommen wir es zum ersten Mal in der Geschichte Star Treks mit den Ferengi zu tun und wenn man das sieht wundert man sich schon ein wenig, dass sie sich dauerhaft im Star Trek Universum etablieren konnten.
Erst in Folge 5 Where No One Has Gone Before konnte ich zum ersten Mal erahnen, was die Stärken der Serie sein könnten.
Die Crew und ihr Captain
Was mir an The Next Generation vom Ansatz her deutlich besser gefällt – der Fokus wird auf die gesamte Brückencrew gelegt. The Original Series hätte man auch getrost „Kirk, Spock and Bones“ nennen können. Die Nebenfiguren haben nur selten etwas beizutragen, das über ihre unmittelbare Aufgabe hinausgeht.
Bei The Next Generation wird schnell klar, dass der Fokus weiter gespannt wird. Viele der Herausforderungen und Missionen werden nicht durch heldenhafte Einsätze des Captains oder des ersten Offiziers gelöst, sondern durch echtes Teamwork. Das finde ich super.
In den ersten beiden Staffeln sind die Rollen dabei noch nicht so recht geschärft. Selbst Patrick Stewart – sicher einer der besten Schauspieler im Cast – braucht ein wenig, um in seine Rolle zu finden. Ich war überrascht, wie unbeherrscht er zu Anfang noch wirkt wirkt.
Zum Teil sind auch die Aufgaben auf der Brücke noch nicht so klar verteilt. Mit Tasha Yar und Worf gibt es gefühlt zwei Charaktere, die für die Sicherheit zuständig sind. Und Geordi LaForge ist noch nicht Herr des Maschinenraums, sondern sitzt im Pilotensitz auf der Brücke.
The Doctors
Beverly Crusher kannte ich wie jedes andere Stammcrew-Mitglied noch von früher. Deshalb war ich total verblüfft als sie in der zweiten Staffel plötzlich von Katherine Pulaski abgelöst wird – ich kann mich nicht erinnern, sie jemals zuvor in einer Enterprise-Folge gesehen zu haben.
Die Art wir Katherina Pulaskis Rolle angelegt ist, erinnerte micht etwas stärker an McCoy. Eigentlich ist sie spannender als Beverly Crusher, die manchmal etwas blass bleibt. Aber ich bin trotzdem nicht so recht mit ihr warm geworden und war ganz froh, dass Beverly Crusher ab der dritten Staffel wieder die Krankenstation übernahm.
Dinge, die mich überrascht haben
- Die Enterprise kann sich in Zwei Teilen. Die „Saucer-Section“ also der Teil, der aussieht wie eine fliegende Untertasse, kann sich vom Rest abtrennen. Die Idee ist, dass man die Bewohner:innen auf dem Schiff in Sicherheit bringen kann und mit einer Rumpfmannschaft in den Kampf ziehen kann.
Obwohl ich mir einbilde, dass ich auch früher schon einige TNG-Folgen gesehen habe, ist dieses Feature komplett an mir vorbei gegangen. Dabei wird es direkt im Serienpilot gezeigt, da habe ich doch sehr gestaunt. Die Teilung der Enterprise wird allerdings so gut wie nie genutzt, obwohl die Enterprise in vielen Folgen nur knapp ihrer Zerstörung entgeht. - Tasha Yar stirbt kurz bevor die erste Staffel endet. Und zwar nicht im Zuge einer letzten großen Heldentat, sondern fast nebenbei durch ein Monster of the Week. Mit so einem Abgang habe ich wirklich nicht gerechnet. Der Charakter blieb bis dahin aber auch seltsam unterentwickelt.
- Quasi von Folge 1 an ist es eine große Freude, Brent Spiner in seiner Paraderolle als Data zu beobachten.
- Schon im Vorfeld habe ich im Netz immer wieder vom großen Hate gegen Wesley Crusher, Sohn von Beverly Crusher und eine Art Wunderkind, gelesen. Ich gebe zu, dass er in den ersten Folgen der Staffel 1 etwas inflationär zum Einsatz kommt und auch seine Rolle wurde oft etwas ungünstig eingesetzt. Aber danach spielt Wesley Crusher gar nicht mehr eine so große Rolle, den Hate kann ich nicht wirklich nachvollziehen.
- Wie cool ist die Idee, mit Counselor Deanna Troi eine Psychologin mit auf der Brücke zu haben! Leider beschränkt sich ihre Rolle in den ersten Folgen oft darauf, offensichtliches auszusprechen – und irgendwie bekommt sie gefühlt mehr Cringe-Momente ab als der Rest der Crew.
- Colm Meaney als Miles O’Brien ist für mich ein absolutes Star-Trek-Gesicht. Dabei wird er erst ab der zweiten Staffel nach und nach etabliert.
Folgen-Highlights
In Staffel 1 gibt es eigentlich nur zwei Folgen, die mir in besonderer Erinnerung bleiben werden:
- S1E12 – Datalore
Wir erfahren viel über den Ursprung von Data und lernen Lore kennen. - S1E24 – Conspiracy
Eine ungewöhnlich düstere und sogar brutale Folge inklusive Splatter-Effekte, in der eine Verschwörung inmitten der Admiralität aufgedeckt wird.
In Staffel 2 gibt es mehr Ausschläge nach oben:
- S2E3 – Elementary, Dear Data
Ein Holodeck-Abenteuer, in dem Sherlock Holmes‘ Widersacher Moriarty self-awareness entwickelt. - S2E8 – A Matter of Honor
Riker wechselt als Austauscoffizier(!) auf ein klingonisches Schiff, das in den Konflikt mit der Enterprise tritt. - S2E9 – The Measure of a Man
Ein Verhandlungsdrama darum, ob Data ein empfindungsfähiges Wesen mit entsprechenden Rechten oder wie eine Maschine als Eigentum der Starfleet betrachtet werden sollte. - S2E16 – Q Who
Wie treffen zum ersten Mal auf die Borg, die anders, geheimnisvoller und düsterer als alle bisherigen Gefahren des Universums sind. Außerdem findet Q in dieser Folge zu seiner Form, würde ich sagen. Toll!
Insgesamt fühlen sich die ersten beiden Staffeln noch ziemlich wackelig an. Dafür gab es auch sehr handfeste Gründe. Hinter den Kulissen ging es noch ziemlich chaotisch zu, zum Beispiel weil Gene Roddenberry und sein berüchtigter Anwalt Leonard Maizlish den Laden ziemlich aufmischten. Einen Eindruck davon kann man sich mit der Doku „Chaos On The Bridge“ verschaffen, durch die niemand geringeres als William Shatner führt.
Ich bin seeeeehr gespannt auf die weiteren Staffeln …







Zu den Borg kann ich nur empfehlen mal ein Perry Rhodan Wiki nach dem Begriff „Posbis“ zu durchsuchen. Als ganz alter Perry-Rhodan-Fan war das schon ein ziemlich irrer Moment, als die Borg auftauchten …