Alle paar Jahre werfe ich über günstige Rückkehrangebote ein paar Euro in die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker ein. Schon sehr frühzeitig hat sich das Arrangement auf den Weg gemacht, die Vorführungen des Orchesters in hoher Qualität digital mitzufilmen und massiv in Aufnahmetechnik investiert.

Und da die Berliner Philharmoniker eines der weltweit berühmtesten Häuser sind – durch die Bank mit SpielerInnen auf Weltklasse-Niveau besetzt, geben sich zahlreiche bekannte Interpreten und Musiker dort die Klinke in die Hand. Es gibt die Möglichkeit, die Konzerte live mit anzusehen. Ich schaue mir aber eher die zurückliegende Saison an.
Das letzte Mal, dass ich reingeschaut habe – das muss fast 10 Jahre her sein. Es ist witzig zu sehen, wie ein Orchester altert, wenn man es etwas besser kennt. Vertraute Köpfe ergrauen, es kommt Nachwuchs rein, der Chefdirigent wechselt (an dieser Stelle ist gendern leider nach wie vor fast nie nötig). Die Augenbrauenpartie des Oboisten wackelt aber immer noch auf die gleiche erstaunliche Weise.
Größter Sport bei diesem ganzen elitären Rummel ist für mich, die Mimik des Dirigenten lesen zu können – oder mir zumindest lustige Interpretationen auszudenken. Bei Kirill Petrenko arbeite ich mich noch ein. Aber manchmal steht er ganz vergnügt und breit grinsend vor dem Orchester und man sieht ihm das reine, ansteckende Glück an. Dann freue ich mich mit – das mag ich.
Und überhaupt – orchestrale Musik. Die geriet bei mir in den letzten Jahren ein wenig in der Hintergrund, da ich mehr beim Jazz und Pop unterwegs war. Das ist auch völlig okay, musikalische Genres kamen und ging bei mir immer auch in Phasen. Aber losgelassen haben sie mich meist nie. Und neben dem nur noch in Teilen vertrauten Orchester, bin ich froh, einige mir wohlbekannte Stücke wiederzuentdecken. Wie gute Freunde, die man seit Jahren wiedersieht und es schnell so ist, als wäre die Zeit nie vergangen.

Es freut mich so, wie du über Herrn Petrenko schreibst. Wir sind in derselben Stadt geboren.