
Sly Flourish argumentiert in seiner Lazy RPG Talkshow, dass es bei Rollenspielen total sinnvoll ist, echte Bücher selbst bei Online-Sessions zu nutzen. Und bei den Erfahrungen, die ich in den letzten Jahren machen durfte, möchte ich ihm zustimmen.
Der Satz, der es für mich auf den Punkt bringt:
„We are closer to the game itself!“
Ich bin meist als Spieler unterwegs. Zwar dauert es im Zweifel länger, im Buch einen Zauberspruch nachzuschlagen als es beispielsweise in einer Online-Datenbank zu machen. Aber es fühlt sich irgendwie „greifbarer“ an. Fast so, als ob das Aufschlagen der Seite, das Überfliegen des Textes und das kurze Innehalten Teil des Spiels selbst wären. Es entschleunigt auf eine gute Art und bringt mich näher an die Welt heran, die wir gemeinsam erschaffen.
Die digitalen Möglichkeiten sind verlockend: VVTs, die ganze Regelwerke integrieren können und Ergebnisse auf Knopfdruck ausspucken können. Für Pathfinder habe ich mir letztens alle Regeln, Zaubersprüche etc. aus dem SDR als Obsidian Vault runtergeladen. Fantastisch praktisch, man kann alles miteinander verlinken und in Windeseile aufrufen.
Aber nach ein wenig Rumspielerei lande ich doch immer wieder bei den Büchern. Weil ich sie als Gegenstände einfach sehr mag. Sie halten das Spiel flexibler und machen dich weniger abhängig von digitalen Angeboten. Und weil sie mir über die Zeit so vertrauter werden als jede Datenbank. Und wenn man dann ein wenig länger blättern muss, nehme ich das gerne in Kauf – ich sehe das einfach als Teil des Vergnügens.

Das entspricht in der Tat zu 100% der Art, wie wir früher gespielt haben: Ich war mit den Büchern sehr vertraut. Ich kannte genau das Layout einzelner Doppelseiten, auf denen wichtige Informationen standen und konnte nötiges Wissen ziemlich schnell hervorholen. Seit wir beide Zusammenspielen, wechseln wir aber ja soo oft die Systeme, dass dieser Effekt da bisher nicht eingetreten ist. Aber: Es stimmt natürlich … es ist nicht nur näher am Kern des Spiels, sondern macht auch mehr Spass. Ich glaub, ich muss mal mein Setup ändern. Bisher war der Zugriff auf Bücher nur mit einem Pöang und dem Laptop auf dem Schoß etwas schwierig.
Unsere Systemspringerei hat da tatsächlich seine Schattenseiten 🙂
Am Ende muss das Setup aber ja auch immer in die Umstände passen. Ich habe einige Partien komplett digital, ohne Bücher, sogar nur am Tablet bestritten. Auch das hat funktioniert und Spaß gemacht. Aber die Bücher sind doch immer wieder ein Quell der Freude, während und abseits der Sessions.
Wo Rollenspielbücher hier gerade Thema sind, bringe ich mal noch eine Facette auf den Tisch: Welche Bücher kauft man und welche nur als PDF oder gar nicht? Ich hab bei Pathfinder bisher alle Bücher gekauft, die mir in einer Session als Meister gute Dienste leisten würden: GM Core, Player Core 1+2, Monster Core, NPC Core. Soweit so gut.
Den World Guide, den Travel Guide und Rival Academies habe ich bisher nur als PDF.
Bei Howl of the Wild und Guns and Gears überlege ich jetzt. Sie enthalten vermutlich nur selten gebrauchte Ancestries und ein paar Monster. Aber irgendwie sind sie ja auch kuhl.
Wie entscheidest Du das?
Ich habe als Meister ja noch nicht viel Erfahrung, bei Mothership habe ich mit der Deluxe-Version mehr eingekauft als ich gebraucht hätte. Aber den Kauf bereue ich trotzdem nicht, weil allein schon das Blättern durch die zusätzlichen Zines mir geholfen haben, mich in die Stimmung und das System besser einzufinden.
Ansonsten muss ich gestehen, dass ich generell wenig Skrupel habe, wenn es darum geht, Geld für Bücher auszugeben. Das gilt für Bücherkäufe aller Art und auch bei Rollenspielen.
Wenn ich vor einem System wie Pathfinder sitze, und ich weiß, dass ich mich damit länger beschäftigen werde, dann a) kaufe ich einfach alles, was mich interessiert solange ich b) das Gefühl habe, dass es realistisch ist, dass ich mich irgendwie mit dem Buch beschäftige.
Wenn ich erst schauen möchte, ob mir ein System gefällt, bei Neugier oder wenn wir einen One-Shot in einem System machen, kaufe ich in der Regel nur das nötige Grundwerk. Und wenn es mir dann gefällt, kann ich ja immer noch ergänzen.
Bei PDFs mache ich es mir einfach. Die kaufe ich höchstens mal, wenn es kein Print-Pendant gibt. PDFs haben einfach den Nachteil, dass ich sie im Zweifel vergesse, weil sie nicht im Regal stehen. Und ich nutze sie beim Nachschlagen auch viel seltener.
Manchmal gibt es ja Bundles (Print + PDF), da entscheide ich von Fall zu Fall, lege aber in der Regel keinen großen Wert auf die PDFs.
Wovon ich aber grundsätzlich (fast) immer die Finger lasse, sind Kickstarter-Geschichten mit All-in-Pledges. Ich glaube, damit anzufangen, würde ich dann doch öfter mal bereuen.
Ja Kickstarter bin ich auch durch mit. Ganz schlimm.
Ohne Deinen Ratschlag abzuwarten, aber völlig in seinem Sinnen handelnd habe ich eben Howl of the Wild und Guns & Gears bestellt. Howl of the Wild hat seeeh schöne weitere Ancestries und das Abenteuer klingt auch famos.
Und Guns & Gears ist sowie grandios. Davon abgesehen werde ich in der nächsten Monaten wohl etwas mehr Zeit haben zu lesen.